Sei mir gegrüßt, oh Mai!

Man kann es drehen und wenden wie man will: Der Mai ist und bleibt einfach der schönste Monat des ganzen Jahres. Das sage ich nicht nur, weil der Mai mein Geburtstagsmonat ist. Es gibt viele Gründe, den Mai zu lieben. Der Mai ist überall schön, auf dem Land und in der Stadt.

Anfang Mai lud ein guter Freund zu einem Geburtstagsfrühstück ins Frühstück 3000. Es war ein herrlicher, sonniger Tag, ich bin mit dem Rad von Neukölln bis in die Bülowstraße gefahren. Und da fiel es mir wieder auf, wie schön, wie herrlich der Mai ist. Überall an den Bäumen sprießt das junge, frische Grün hervor, man sieht die Kraft und das Hervorbrechen des neues Lebens in jeder Sekunde, in jedem Augenblick. Ich bin an jenem Tag das erste Mal seit längerem wieder mit dem Rad unterwegs gewesen, außerhalb meines Kiezes, und habe dabei neue Ecke der Stadt kennengelernt – wie die Hornstraße. Es ist eine kleine, aber breit angelegte Straße mit großen, herrlichen Bäumen, in der Mitte der Straße ist ein kleiner Park, rechts und links stehen viele Altbauten. Die Straße liegt zudem direkt am Park Gleisdreieck. Hier würde ich sofort hinziehen. Die Hornstraße wurde von dem preußischen Gartenbaumeister Lenné angelegt, der Charakter der im 19. Jahrhundert angelegten Straße ist bis heute erhalten.

Zurück zum Mai. Was macht den Mai noch besonders? Die Freibäder machen auf! Ich gehe sehr gern schwimmen, am liebsten morgens, gleich nach dem aufstehen. Am 1. Mai hat das Prinzenbad in Kreuzberg aufgemacht, ich war am 3. Mai im Wasser – es war, kalt, aber gut. Inzwischen hat auch das Stadtbad Neukölln am Columbiadamm die Saison eröffnet, das Bad liegt fast bei mir vor der Haustür. Morgens, idealerweise bei blauem Himmel, ein paar Runden zu schwimmen, das ist immer wie ein kleiner Mini-Urlaub für mich.

Der Mai ist der Monat, an dem wir endlich, endlich Abschied nehmen können von den ganzen winterlichen Kohlgemüsen – die mag ich einfach ab März, April nicht mehr sehen. Im April beginnt sich schon, der saisonale Gartenkalender umzustellen: die ersten Radieschen, Spargel und Rhabarber sind die Frühlingsboten, die dringend auf den Teller möchten. So richtig reichhaltig wird das Angebot im Mai, dann ist die Saison in vollem Gang und vergessen ist der dunkle Winter.

Spargel gibt es mittlerweile schon ab Ende März, Anfang April. Das ist dann Spargel, der unter Plastikfolien künstlich vorangetrieben wird. Ich finde das ziemlich abartig und es regt mich jedes Jahr aufs Neue auf, diese Verschandelung der Landschaft und diese enormen Berge von Plastikmüll, die dafür produziert werden. Dabei, so meine ich, sorgt der fortschreitende Klimawandel dafür, dass Spargel auch ohne Plastik eher angestochen werden kann als noch vor zehn oder 20 Jahren.

Rhabarber liebe ich sehr, als Kuchen (ohne Baiser! dafür mit einer Sahne-Zucker-Mehl-Mischung, hier schrieb ich mal drüber) oder als Kompott zum Frühstück mit Porridge oder im Müsli.

Auf meinem Geburtstagstisch stand in meiner Kindheit immer ein Strauß Flieder aus dem Garten. Es war eine feste Regel: Mitte Mai blüht der Flieder. Auf diese Regel ist leider, auch hier grüßt der Klimawandel, kein Verlass mehr. Die Jahre, an denen der Flieder an meinem Geburtstag schon verblüht ist, werden leider häufiger.

Reichenberger Straße in Berlin Anfang Mai

Vermutlich ist kein anderer Monat – zumindest in der mitteleuropäischen Literatur – so oft besungen, gedichtet und gelobpreist worden wie der Mai. Von Johann Gottfried Kumpf stammen folgenden Zeilen, Franz Schubert hat sie zu einem fröhlichen, frischen Lied vertont.

Sei mir gegrüßt, o Mai! mit deinem Blütenhimmel,
Mit deinem Lenz, mit deinem Freudenmeer;
Sei mir gegrüßt, du fröhliches Gewimmel
Der neu belebten Wesen um mich her!

Abschließend noch ein paar Worte zum Frühstück 3000: Toller Laden! Wir haben uns sehr wohl gefühlt, unbedingt zu empfehlen ist die Cheddar-Waffel mit Chili-Bacon-Karamell und Chicken und das French Toast mit Rhabarber und Quark-Espuma. Lecker!

Winterparadies Dänemark

Ich liege auf dem Sofa und neben mir steht mein morgendlicher Earl Grey Tee, es ist noch sehr kalt, aber im Kaminofen lodert bereits das Feuer, der Fernseher läuft nebenbei, in dichtem Schneetreiben kämpfen die Langläufer um die olympischen Medaillen. Vom Kommentar verstehe ich nur einzelne Wörter – ich gucke dänisches Fernsehen, denn seit gestern bin ich in meinem persönlichen Winterparadies: Rømø, Dänemark.

Seit vielen Jahren fahre ich mit dem Gatten im Januar oder Februar für eine Woche nach  Rømø, es ist herrlich. Die Nordseeinsel, die im Sommer von deutschen Tourist*innen und ihren dänischen Ferienhausbesitzer*innen bevölkert wird, ist leer. Die Häuser sind günstig, und so lassen wir es uns eine Woche lang gut gehen. Auf dem Programm: Serien gucken, lesen, dazwischen Sauna, Whirlpool, im Kaminofen lodert das Feuer, den obligatorischen Strandspaziergang machen wir natürlich auch, es gibt einen Ausflug nach Ribe – eine Woche Auszeit in Dänemark.

Ich mag dieses kleine, unaufgeregte Land im Norden, mich verbindet so einiges mit dem Königreich. Wenn man, wie ich in Norddeutschland aufgewachsen ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man irgendwann mal einen Familienurlaub in Dänemark verbringt – so war es bei mir. 1983, ich war 8 Jahre alt, der erste große Familienurlaub im Ausland. Diverse Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins kamen für ein paar Tage vorbei. Im Garten wurde ein Zelt für die Kinder aufgeschlagen und mein kleiner Bruder staunte beim Anblick der Ostsee über die große Elbe, die es hier gibt. Das war mein erster Besuch in Dänemark. Seitdem bin ich unzählige Male in diesem Königreich gewesen. Ich habe viele Jahre in Hamburg-Altona gewohnt, jenem Stadtteil, der über viele Jahrhunderte Teil des dänischen Gesamtstaates war. Man hört hier und dort heute noch den einen oder anderen von Dänisch-Altona reden. Mir Recht, möchte ich sagen!

2016 habe ich in Sonderburg, einem kleinen Städtchen im Süden Dänemarks geheiratet. Für meinen Mann und mich war klar, dass wir heiraten möchten, aber für uns kam nur die volle, gleichberechtigte Ehe in Frage. In Deutschland gab es 2016 für gleichgeschlechtliche Paare nur die eingetragenen Partnerschaft, das stand für uns nicht zur Diskussion. Also fuhren wir nach Dänemark und die Zeremonie war wie Dänemark ist: Wunderbar unaufgeregt.

Im Laufe der Jahre haben wir unsere Anfahrt perfektioniert. Kurz vor Grenze, im Fördepark Flensburg gehen wir noch einmal einkaufen für die Woche. Wichtig: Ausreichend Holz und Holzpellets für den Ofen! Kann man auch alles auf Rømø kaufen, da ist es nur etwas teuerer als in Deutschland.

Genauso wichtig ist die Küchenkiste. Dänische Ferienhäuser sind oft nur sehr rudimentär ausgestattet. Darum muss ein Teil der Küche mitreisen: Teekanne und Tee, eine kleine Auswahl an gescheiten Messern, Microplane, Gewürze, Öl, Essig sowie das drumherum; Spüli, Geschirrhandtücher, Spültuch, Tabs für den Geschirrspüler.

Auf Rømø wird noch gekauft: Joghurt im Literpaket. Das ist eine Kindheitserinnerung an Sommerurlaube in Dänemark. Der Joghurt schmeckt auch anders, etwas säuerlicher als wir es in Deutschland gewohnt sind. Gesalzene Butter! Und natürlich: Fisch. Bei Otto und Ani’s fisk gibt es Räucherfisch, diverse Fischsalate und in Rotweinessig oder in Currysauce eingelegte sild, Hering. Ich esse sehr, sehr gern Fisch, eigentlich alles was aus dem Meer kommt. Was auch nicht fehlen darf: Lakritz. Hier gibt es eine tolle Auswahl an den unterschiedlichsten Süßigkeiten. Wer Lakritze mag, ist in Dänemark im Paradies.

Nun kann der Serienmarathon beginnen. Auf der Liste steht die letzte Staffel von Sex Education. Die haben wir uns für diesen Urlaub aufgehoben., Ebenso die jüngste Staffel von Greenleaf. Das Drama um die Calvary Church ist perfekt für so einen Urlaub. The Club wollen wir uns anschauen, It’s a Sin, the Great, Station Eleven ist eine Option und Mare of Easttown stehen auf der Liste. Da bleibt nicht viel Zeit für Strandspaziergänge und andere Ausflüge. Aber der Landschaft wegen fährt man ja auch nicht nach Dänemark. Wer es hübsch haben will, fährt in die Provence oder nach Südtirol, irgendwohin südlich der Alpen. Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: ich fühle mich dort, vor allem in Frankreich, auch immer sehr wohl, niemals würde ich eine Reise nach Frankreich ausschlagen. Aber im Winter ist Dänemark einfach die erste Wahl.

Und zu guter Letzt: Dänemark hat mit Margrethe II. eine äußerst sympathische Königin. Das kann man sich hier angucken. Im Jahr 2016 zeigt das dänische Fernsehen die Dokumenation “Dronnningens slotte”, die Schlösser der Königin. Margrethe persönlich führt durch ihre vier Schlösser. Gibt es natürlich nur auf dänisch, aber mit Untertitel, so dass man mit zumindest geringen Sprachkenntnissen einiges verstehen kann.

Ich möchte mit den Worten der Königin schließen, mit denen sie alljährlich ihre Silvesteransprache beendet: Gud bevare Danmark!

Leuchtende Sonne im Glas

Es wird einfach nicht hell. Seit Tagen, Wochen, gefühlt seit einer Ewigkeit ist das Berliner Wetter trüb und grau. Wenn es wenigstens einen richtigen Winter geben würde, mit klirrender Kälte, Eis, Schnee und – ja und blauen Himmel. Nichts davon ist in Sicht. Potsdam und Berlin kamen im Januar gerade einmal auf 60 bis 70 Prozent der durchschnittlichen Sonnenstunden, schrieb der rbb erst vor wenigen Tagen.

Vergangene Woche ist es mir zu viel geworden. Ich ging über den grauen, regennassen Hermannplatz in Neukölln und ein Marktstand pries dort Maracujas an. Kurz nachgedacht und dann gekauft: 20 Maracujas landeten bei mir zu Hause, der Plan war: eine Maracuja-Bananen-Marmelade zu kochen.

Ich habe diese Marmelade schon mehrmals im Winter gekocht, sie ist wirklich der perfekte Trost für graue Wintertrage. Ich bin eigentlich überhaupt kein Freund von gekochter Banane, im Zusammenspiel mit der tropischen Säure der Maracuja allerdings ist es ein Genuss. Im Verhältnis von 400 Gramm Maracuja und 600 Gramm Banane wird die Marmelade gekocht. Ich habe noch etwas Maracujasaft hinzugegeben, um Geschmack etwas mehr zu betonen. Banane und Maracuja ergänzen sich wunderbar. Und dann die Farbe! Ein leuchtendes, sommerliches, strahlendes gelb, wie ein Gruß aus fernen Tagen und Vorbote für bessere! Diese Marmelade schmeckt nicht nur wunderbar auf Toast oder Brötchen, ich gebe davon großzügig 1-2 Esslöffel in mein morgendliches Porridge.

Ein leuchtender Sommergruß im grauen Winter: Maracuja-Bananen-Marmelade.

Kekse mit Brombeere und Vanille

Nun hat es mich erwischt. Nein, kein Corona, eine simple Erkältung. Man ist ja in diesen Tagen froh, wenn man nur eine Erkältung hat. Freitag ging es los, irgendwann gegen Mittag, mit Halskratzen. Man räuspert sich und denkt: ist gleich weg. Ne, ist es nicht, es wird mehr. Schnelltest gemacht, negativ, gut. Die sich langsam aufbauende Erkältung konnte mich aber nicht von meinem spontan am Morgen gefassten Plan abhalten: Kekse backen.

In anderen Jahren plane ich wochenlang, welche Kekse ich backe, tausche mich mit G. aus. Es gab Jahre, da lungerten wir wie zwei Fangirls auf die Oktober-Ausgaben der Zeitschriften “Brigitte” und “Freundin” mit ihren Sonderheft Plätzchen, um sie dem Zeitschriftenhändler noch aus den Händen reißen zu können, bevor sie im Regal lagen. Gut, ich übertreibe, aber nur leicht.

Im vergangenen Jahr habe ich zielgerichtet geplant und gebacken, dieses Jahr lief das mehr so nebenbei. Einige Wochen waren wir Mitglieder einer Facebook-Gruppe, die sich ausschließlich mit Weihnachtsbäckerei beschäftigt, aber da mussten wir irgendwann aussteigen, dass ist vielleicht ein extra Text wert, diese Erfahrung. Da gibt es Menschen, die backen 80 Kilogramm Plätzchen und mehr. Man fragt sich: WHY?

Zurück in meine Küche. Freitag morgen schrieb mir G., dass sie gleich anfängt zu backen und ich dachte spontan: Ja, heute ist der Tag, ich will auch! Ich hatte zwar Pläne für den Abend, die wurden spontan geändert. Dann wurde die Einkaufsliste geschrieben und los ging es.

Gebacken wurden in diesem Jahr folgende Kekse:
– Zitronenschnecken
– Linzer Plätzchen
– Vanillekipferl
– Heidesand
– Herrnhuter Herzen

Die Herrnhuter Herzen werden klassischerweise mit Himbeermarmelade gefüllt, ich habe dieses Jahr aber Brombeere genommen. Im August bin ich bei meiner Familie im Wendland gewesen, als die Brombeeren reif waren. Ich bin mit meiner Mutter losgefahren und habe Brombeere gepflückt – wilde Brombeere, wir standen vor einer riesigen, vielleicht 50 Meter langen und zwei Meter hohen Brombeerhecke, die reifen, vollen Früchte fielen uns nur so in die Hände. Die im Sommer gekochte Marmelade kamen in die Herzen, auch optisch macht Brombeere einfach was her, der mit der Marmelade eingefärbte Zuckerguss sieht einfach gut. Brombeere einfach eine richtig starke Farbe, wenn ich an den Kuchen denke oder das vom Gatten selbstgemachte Vanilleeis mit Brombeerschlorz… Die Herrnhuter Herzen sind köstlich geworden.

Im Geschmack auch unübertroffen sind in diesem Jahr die Vanillekipferl. Das liegt nicht nur an dem Rezept dass ich habe, sondern vor allem an den Zutaten, hier: Vanille. Vor ein paar Wochen stolperte ich über die Vanillekiste, ein junges deutsch-madagassisches Paar verkauft Vanille in ihrem Online-Shop. Sie importieren die Vanille direkt aus Madagaskar ohne Zwischenhändler, sie setzten sich für fairen Handel und faire Bezahlung aller Beteiligten ein. So etwas finde ich immer unterstützenswert und die Qualität der Vanille ist einfach top, ich bin mehr als zufrieden.

Ich mag es, wenn die Kipferl nicht zu dünn sind, lieber etwas dicker und dann, wenn sie noch nicht ausgekühlt sind, noch möglichst warm, aber nicht mehr zerbrechen, wenn man sie anfasst, werden sie in Vanille-Puderzucker gewälzt. Dann kann sich der Zucker mit der Vanille in den warme Mürbeteig richtig gut hineinsaugen.

Weil ich am Freitag erst relativ spät angefangen habe zu backen, ging es am Sonnabend weiter. Nachmittags war alles weggebacken, die Küche war wieder sauber und nun kann ich mich voll und ganz meiner Erkältung hingeben. Denke, ich werde es aber überleben, obwohl Männergrippe und so.

Pandemie-Januar

Dieser Januar. Ein merkwürdiger Monat. Der Januar hat es generell schwer, er kommt mir oft vor wie das ungeliebte Stiefkind. Es ist noch kalt und dunkel, die Feiertage sind vorbei und dann ist der Monat auch noch so lang! In Anbetracht der Pandemie fürchtete ich auch einen extrem langen und zähen Januar. Doch nach der […]