Winterparadies Dänemark

Ich liege auf dem Sofa und neben mir steht mein morgendlicher Earl Grey Tee, es ist noch sehr kalt, aber im Kaminofen lodert bereits das Feuer, der Fernseher läuft nebenbei, in dichtem Schneetreiben kämpfen die Langläufer um die olympischen Medaillen. Vom Kommentar verstehe ich nur einzelne Wörter – ich gucke dänisches Fernsehen, denn seit gestern bin ich in meinem persönlichen Winterparadies: Rømø, Dänemark.

Seit vielen Jahren fahre ich mit dem Gatten im Januar oder Februar für eine Woche nach  Rømø, es ist herrlich. Die Nordseeinsel, die im Sommer von deutschen Tourist*innen und ihren dänischen Ferienhausbesitzer*innen bevölkert wird, ist leer. Die Häuser sind günstig, und so lassen wir es uns eine Woche lang gut gehen. Auf dem Programm: Serien gucken, lesen, dazwischen Sauna, Whirlpool, im Kaminofen lodert das Feuer, den obligatorischen Strandspaziergang machen wir natürlich auch, es gibt einen Ausflug nach Ribe – eine Woche Auszeit in Dänemark.

Ich mag dieses kleine, unaufgeregte Land im Norden, mich verbindet so einiges mit dem Königreich. Wenn man, wie ich in Norddeutschland aufgewachsen ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass man irgendwann mal einen Familienurlaub in Dänemark verbringt – so war es bei mir. 1983, ich war 8 Jahre alt, der erste große Familienurlaub im Ausland. Diverse Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins kamen für ein paar Tage vorbei. Im Garten wurde ein Zelt für die Kinder aufgeschlagen und mein kleiner Bruder staunte beim Anblick der Ostsee über die große Elbe, die es hier gibt. Das war mein erster Besuch in Dänemark. Seitdem bin ich unzählige Male in diesem Königreich gewesen. Ich habe viele Jahre in Hamburg-Altona gewohnt, jenem Stadtteil, der über viele Jahrhunderte Teil des dänischen Gesamtstaates war. Man hört hier und dort heute noch den einen oder anderen von Dänisch-Altona reden. Mir Recht, möchte ich sagen!

2016 habe ich in Sonderburg, einem kleinen Städtchen im Süden Dänemarks geheiratet. Für meinen Mann und mich war klar, dass wir heiraten möchten, aber für uns kam nur die volle, gleichberechtigte Ehe in Frage. In Deutschland gab es 2016 für gleichgeschlechtliche Paare nur die eingetragenen Partnerschaft, das stand für uns nicht zur Diskussion. Also fuhren wir nach Dänemark und die Zeremonie war wie Dänemark ist: Wunderbar unaufgeregt.

Im Laufe der Jahre haben wir unsere Anfahrt perfektioniert. Kurz vor Grenze, im Fördepark Flensburg gehen wir noch einmal einkaufen für die Woche. Wichtig: Ausreichend Holz und Holzpellets für den Ofen! Kann man auch alles auf Rømø kaufen, da ist es nur etwas teuerer als in Deutschland.

Genauso wichtig ist die Küchenkiste. Dänische Ferienhäuser sind oft nur sehr rudimentär ausgestattet. Darum muss ein Teil der Küche mitreisen: Teekanne und Tee, eine kleine Auswahl an gescheiten Messern, Microplane, Gewürze, Öl, Essig sowie das drumherum; Spüli, Geschirrhandtücher, Spültuch, Tabs für den Geschirrspüler.

Auf Rømø wird noch gekauft: Joghurt im Literpaket. Das ist eine Kindheitserinnerung an Sommerurlaube in Dänemark. Der Joghurt schmeckt auch anders, etwas säuerlicher als wir es in Deutschland gewohnt sind. Gesalzene Butter! Und natürlich: Fisch. Bei Otto und Ani’s fisk gibt es Räucherfisch, diverse Fischsalate und in Rotweinessig oder in Currysauce eingelegte sild, Hering. Ich esse sehr, sehr gern Fisch, eigentlich alles was aus dem Meer kommt. Was auch nicht fehlen darf: Lakritz. Hier gibt es eine tolle Auswahl an den unterschiedlichsten Süßigkeiten. Wer Lakritze mag, ist in Dänemark im Paradies.

Nun kann der Serienmarathon beginnen. Auf der Liste steht die letzte Staffel von Sex Education. Die haben wir uns für diesen Urlaub aufgehoben., Ebenso die jüngste Staffel von Greenleaf. Das Drama um die Calvary Church ist perfekt für so einen Urlaub. The Club wollen wir uns anschauen, It’s a Sin, the Great, Station Eleven ist eine Option und Mare of Easttown stehen auf der Liste. Da bleibt nicht viel Zeit für Strandspaziergänge und andere Ausflüge. Aber der Landschaft wegen fährt man ja auch nicht nach Dänemark. Wer es hübsch haben will, fährt in die Provence oder nach Südtirol, irgendwohin südlich der Alpen. Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: ich fühle mich dort, vor allem in Frankreich, auch immer sehr wohl, niemals würde ich eine Reise nach Frankreich ausschlagen. Aber im Winter ist Dänemark einfach die erste Wahl.

Und zu guter Letzt: Dänemark hat mit Margrethe II. eine äußerst sympathische Königin. Das kann man sich hier angucken. Im Jahr 2016 zeigt das dänische Fernsehen die Dokumenation “Dronnningens slotte”, die Schlösser der Königin. Margrethe persönlich führt durch ihre vier Schlösser. Gibt es natürlich nur auf dänisch, aber mit Untertitel, so dass man mit zumindest geringen Sprachkenntnissen einiges verstehen kann.

Ich möchte mit den Worten der Königin schließen, mit denen sie alljährlich ihre Silvesteransprache beendet: Gud bevare Danmark!

Leuchtende Sonne im Glas

Es wird einfach nicht hell. Seit Tagen, Wochen, gefühlt seit einer Ewigkeit ist das Berliner Wetter trüb und grau. Wenn es wenigstens einen richtigen Winter geben würde, mit klirrender Kälte, Eis, Schnee und – ja und blauen Himmel. Nichts davon ist in Sicht. Potsdam und Berlin kamen im Januar gerade einmal auf 60 bis 70 Prozent der durchschnittlichen Sonnenstunden, schrieb der rbb erst vor wenigen Tagen.

Vergangene Woche ist es mir zu viel geworden. Ich ging über den grauen, regennassen Hermannplatz in Neukölln und ein Marktstand pries dort Maracujas an. Kurz nachgedacht und dann gekauft: 20 Maracujas landeten bei mir zu Hause, der Plan war: eine Maracuja-Bananen-Marmelade zu kochen.

Ich habe diese Marmelade schon mehrmals im Winter gekocht, sie ist wirklich der perfekte Trost für graue Wintertrage. Ich bin eigentlich überhaupt kein Freund von gekochter Banane, im Zusammenspiel mit der tropischen Säure der Maracuja allerdings ist es ein Genuss. Im Verhältnis von 400 Gramm Maracuja und 600 Gramm Banane wird die Marmelade gekocht. Ich habe noch etwas Maracujasaft hinzugegeben, um Geschmack etwas mehr zu betonen. Banane und Maracuja ergänzen sich wunderbar. Und dann die Farbe! Ein leuchtendes, sommerliches, strahlendes gelb, wie ein Gruß aus fernen Tagen und Vorbote für bessere! Diese Marmelade schmeckt nicht nur wunderbar auf Toast oder Brötchen, ich gebe davon großzügig 1-2 Esslöffel in mein morgendliches Porridge.

Ein leuchtender Sommergruß im grauen Winter: Maracuja-Bananen-Marmelade.