Hamburg vor einem Jahr

Vor ziemlich genau einem Jahr war ich in Hamburg, meiner alten Heimatstadt. Ich habe Freunde besucht. 2019 war kein gutes Jahr, für mich nicht und auch viele andere nicht. Ich erinnere mich, dass in sozialen Netzwerken sehnsüchtig das Ende des Jahres und des Jahrzehnts herbeigesehnt wurde.

2020! Das klang vor einem Jahr wie eine Verheißung. Die Goldenen Zwanziger. Aufbruch und Neues. Auch ich habe das erwartet. Beruflich steckte ich in einer Sackgasse, war unglücklich und wollte einen anderen Job. Im Privaten gab es diverse Baustellen, die mir das Jahr 2019 schwer gemacht haben. Und so saß ich vor einem Jahr mit meiner Freundin S. im Café du Port in der Hein-Hoyer-Straße und trank sehr viel Prosecco, wir beide ließen unser Jahr Revue passieren. Auch S. hatte ein ziemlich beschissenes 2019 gehabt, der Tod zog bei ihr ein und hat liebe, wichtige Menschen sehr plötzlich mitgenommen. So saßen wir da, tranken, erzählten, weinten, (also ich zumindest), rauchten, tranken. Als wir schon sehr duhn war, kam ihre Freundin K. vorbei und trank mit uns weiter, und wir plauderten weiter und blickten optimistisch auf die Weihnachtszeit und das neue Jahr. K. hatte eine große Party vor Weihnachten geplant, ich freute mich auf Weihnachten mit dem Gatten und Eltern und dem Neffen und den Nichten im großen Familienkreis, ein ganz normales Weihnachten, wie wir alles es schon dutzendfach erlebt hatten.

Zu diesem Zeitpunkt fraß sich das Corona-Virus schon seinen Weg durch China nach Europa, für uns alle damals noch überhaupt nicht vorstellbar, was auf uns zukommt. Und heute, ein Jahr später?

Es geht mit besser als vor einem Jahr. Aber Corona hat alle Hoffnungen auf ein gutes 2020 ziemlich schnell zerstört. Aber wem muss ich das sagen? Gestern war der 4. Advent. In Großbritannien ist eine Mutation des Corona-Virus aufgetaucht, die offenbar dazu führt, dass das Virus ansteckender ist und sich noch schneller verbreitet. Kurzerhand haben Deutschland und weitere Länder der EU den Flugverkehr von Großbritannien eingestellt. Zack, Federstrich, fertig. Alle finden die Maßnahme vernünftig und richtig, keiner wundert sich. Ich möchte das nicht. Ich möchte nicht, dass es Normal ist, dass einfach so Länder in einem Augenblick in unendliche Ferne rücken. Ich wünsche mir, dass ich in einem Jahr feststellen kann: Wir sind zurückgekehrt in unsere alte Normalität.

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